Fearless New Work

New Work ist in den vergangenen Jahren zu einem Buzzword geworden, also zu einem Wort, das jeder kennt,  das fast jeder nutzt und über dessen Bedeutung sich die Wenigsten wirklich im Klaren sind. Nachdem die Pandemie mit vielen Sonderregelungen zu Ende geht, stellt sich die Frage: Wie hat sich das Arbeiten wirklich verändert hat und an welchen Stellen ist das Arbeiten vielleicht besser geworden? Benötigen wir für neues Arbeiten besondere Kompetenzen und was zeichnet das Arbeiten in der Post-Covid Zeit aus? Marion King, Gründerin von Les Enfants Terribles in Berlin, unterstützt mit langjähriger Erfahrung aus Marketing, Projekt Management und HR Organisationen dabei, neues, gutes Arbeiten zu etablieren und nachhaltige Veränderungen zu implementieren, die eine Organisation zukunftsfähiger machen.

Ob neue Tools oder eine bessere Kommunikation, Marion King bringt mit den Kolleg:innen von Les Enfants Terribles neue und notwendige Kompetenzen in Organisationen, die aus der systemischen Prozessberatung, dem Coaching, Change Management, Organisationsaufstellung und Design Thinking kommen. Marion ist Coach für Führung und Kommunikation, Lehrbeauftragte (Fachbereich Wirtschafts- und Rechtswissenschaften) der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ebenso wie Speakerin zum Thema »New Work/Zukunft von Arbeit«. Im Interview hört Ihr, dass sie eine Freundin eines klaren Wortes ist. Außerdem gibt sie das Online-Magazin für gutes, neues Arbeiten mittwochs.online heraus.

Marion King

Marion King

Les Enfants Terribles

Gründerin der Schule, Initiative & Community Les Enfants Terribles

Es braucht ganz viel Kompetenz, Wahrnehmung, Selbstreflektion und unheimlich viel gute Kommunikations- und Dialogfähigkeit für gutes, neues Arbeiten

 

Wer anständige Ergebnisse in der Beratung erzielen will, braucht zwingend eine saubere Auftragsklärung. Zu wissen, wohin es gehen soll, was die Herausforderungen sind, wo jede:r der Beteiligten die individuellen Challenges verortet, ist die Basis und schafft Klarheit für alle. „Also ich habe irgendwann beschlossen, dass ich nur noch mit Menschen arbeiten will, die wirklich, wirklich Lust auf Veränderung haben“, erklärt Marion King. „Ich merke durch unsere klare Haltung und Meinung zum Thema neue, gute Arbeit kommen einfach ganz andere Menschen. Es kommen nicht mehr diese Chefs, die sagen: ‚Könnten Sie mal dafür sorgen, dass mein Team funktioniert?‘ Sondern es kommen nur noch Leute, die sagen: ‚Ich weiß, dass es was mit mir zu tun hat, dass ich mich verändern muss und ich suche jemanden, der mich darin unterstützt.‘

 

„Diese ganzen Hoffnungen ‚Wenn ich dann in diesen Prozess komme und wir wahnsinnig tolle Workshops gemacht haben, dann wird es schon etwas nützten‘ – das ist nicht meine Rolle und Aufgabe als Beraterin. Ich habe einfach keine Lust mehr, Leute in der Organisation zu enttäuschen. Es ist einfach verantwortungslos zu sagen: ‚Hey, aber dieses Mal ist wirklich ganz anders.‘ Das ist einfach nicht in Ordnung.“

 

„Der andere Teil ist: Es braucht einfach Veränderungskompetenzen für Change oder Transformation, um so einen Prozess zu gestalten. Nur weil ein:e Berater:in reinkommt und Post-its klebt, heißt es nicht, dass die Mitarbeiten das machen können. Je mehr wir in Richtung Selbstorganisation, New Work gehen, wo die Mitarbeitenden ganz anders involviert in die Organisation und die in die Gestaltung der Organisation sind, kann ich denen nicht einfach alles vor die Füße werfen und sagen: ‚Jetzt mach mal agil oder mach mal Selbstorganisation so!‘. Da braucht es ganz viel Kompetenz, ganz viel Wahrnehmung, Selbstreflektion und unheimlich viel gute Kommunikations- und Dialogfähigkeit. Es braucht Formate, die man aber lernen muss.“

 

New Work ist der Dreiklang aus einer zukunftsfähigen Organisation, einem angemessenen Einkommen und dem Wohlergehen der Mitarbeitenden

 

Die Definition von New Work scheint manchmal so vielfältig wie die Café-Szene von New York, wo jeder trotzdem meint, das erste und einzige Café, das richtigste und beste zu sein. „Ich glaube, wir dürfen zwei Dinge nicht vermischen. Das eine ist dieses ganze digitale Arbeiten und Home Office, was dann oft in dieses New Work fällt, aber nur der Aspekt der Flexibilität der Arbeit ist. Gemeint ist die Flexibilität sowohl der Arbeitszeit als auch des Arbeitsortes und das geht natürlich nicht bei jeder:m,“ sagt die Gründerin der Les Enfants Terribles und fügt an: „Für mich ist New Work, erstmal eine zeitgemäße und zukunftsfähige Organisation zu bauen, in der quasi in einem Dreieck sowohl das Unternehmen innovativ bleibt, angemessen Geld verdient wird – und ich sage bewusst angemessen Geld verdienen – und es zum anderen den Mitarbeitenden gut geht. Sich in diesem Dreieck zu bewegen, ist das Ziel. Das geht weit über: ‘Ich bin im Home Office’ oder ‘Bei uns gibt es gibt Yogastunden’ hinaus.”

 

„Yogastunden sind auch nett,“ lacht Marion: „Aber eigentlich geht es mir um einen grundlegenden Wandel dieses Arbeitens, also dass wir uns überhaupt erstmal angucken und besprechen: Was bedeutet denn Arbeit für uns und wie viel braucht es denn überhaupt und muss ich von neun Uhr  bis achtzehn Uhr an irgendeinem Schreibtisch sitzen und macht das alles Sinn von Montag bis Freitag. Und dann die Frage: Will ich das überhaupt in meinem Leben? Oder bin ich in so einer Tretmühle, wo ich Sonntagnachmittag schon Bauchschmerzen kriege und Montagmorgen im Auto denke: ‘Oh Gott, ich will da nicht hin’ und ich fiebere die ganze Zeit drauf hin, dass es irgendwie Freitag wird.“

 

Wieviel Geld braucht es denn wirklich, wieviel Gewinn ist gut und kann überhaupt zuviel Geld verdient werden? „Was braucht denn die Organisation, um die Leute bezahlen zu können und Material bezahlen zu können, die ganzen Kosten zu decken und dann natürlich Geld für Rücklagen für schwierige Zeiten Geld zu haben, um innovativ zu sein? Aber was ist denn angemessen?“ fragt Marion. „Also, wie viel müssen denn zum Beispiel Vorstände verdienen? Natürlich tragen die eine wahnsinnige Verantwortung, das verstehe ich, dass es gut bezahlt werden muss. Aber ich finde, das alles ist so aus dem Ruder gelaufen mit diesem noch mehr, noch höher, schneller, weiter. Das kann es irgendwie doch einfach nicht sein. Es treibt uns ja alle in den Wahnsinn. Dieser Druck, der dahinter steht –  da stellt sich doch die Frage: Was ist angemessen?“

Fearless New Work

Marion King, Gründerin von Les Enfants Terribles in Berlin, spricht mit mir im FearlessCulture Podcast über neues, gutes Arbeiten, New Work, Haltung, Post-Covid, Transformation, Kulturveränderung, Kompetenzen und Leadership.

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New Pay – Alternative Arbeits- und Entlohnungsmodelle – inkl. Arbeitshilfen online (2019) von Sven Franke. Das Buch bei Amazon 

 

Reinventing Organizations – Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit  deutsche Übersetzung (2015) von Frederic Laloux das Buch bei Amazon  oder das englisch Original  Reinventing Organizations – A Guide to Creating Organizations Inspired by the Next Stage in Human Consciousness (2014). Das Buch bei Amazon

 

New Work needs Inner Work – Ein Handbuch für Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation (2019) von von Joana Breidenbach  und Bettina Rollow Das Buch bei Amazon

 

Wu wei –  Die Lebenskunst des Tao (2005) von Theo Fischer. Das Buch bei Amazon 

 

Der TED Talk von Daniel Pink Die überraschende Wissenschaft der Motivation

 

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